Wir trauern um Aamir Mohamed Ageeb!
Karawane
für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen, 04.06.1999
Wir
trauern um Aamir Mohamed Ageeb!
Sudanesischer
Flüchtling vom BGS während der Abschiebung aus Deutschland ermordet.
In der Nacht zum 29. Mai
ist der junge sudanesische Flüchtling Aamir Mohamed Ageeb bei seiner Abschiebung
in den Sudan zu Tode gekommen. Weil er versucht hat, sich körperlich der Abschiebung
zu widersetzen, ist er vom BGS an Händen und Füßen gefesselt worden, kurz nach
dem Abflug ist sein Kopf von den begleitenden BGS-Beamten auf sein Kinn gedrückt
worden, als sie ihn wieder aufrichteten, war er bereits tot.
Wir sind
entsetzt über diesen Mord!
Erst kürzlich ist am ersten
Mai der 25-jährige nigerianische Flüchtling Marcus Omofuma bei seiner Abschiebung
aus Österreich durch Mißhandlung der begleitenden Polizeibeamten ums Leben gekommen,
und erst im September letzten Jahres mußte die 20-jährige Semira Adamu bei ihrer
Abschiebung aus Belgien ihr Leben lassen.
Der durch die staatliche
Politik verursachte Mord an Semira Adamu hatte in Belgien zumindest einen breiten
Aufschrei in der Bevölkerung zur Folge, woraufhin der damalige Innenminister
Tolback zurücktreten mußte.
Doch wie unterschiedlich
sind diesmal die Reaktionen, als sich solch ein Mord in Deutschland ereignete.
Hier wird dem Toten selbst die Schuld an seinem Tod gegeben, weil er sich gegen
seine Abschiebung zur Wehr setzte. Die Abschiebung selbst wird in keiner Weise
in Frage gestellt.
Dabei hat Aamir Mohamed
Ageeb durch seinen Tod lediglich wieder einmal vor Augen geführt, daß Abschiebungen
tatsächlich Folter, daß Abschiebungen tatsächlich Mord sind. Semira Adamu, Marcus
Omofuma und Aamir Mohamed Ageeb wurden staatlicherseits ermordet, weil sie um
ihr Lebensrecht hier in Europa gekämpft haben.
Viele Flüchtlinge haben
sich bisher vor ihrer Abschiebung selbst das Leben genommen, weil die Angst
vor der bevorstehenden Folter, der zu erwartenden Verfolgung der heimischen
Behörden schwerer wog, als die Angst, vor dem selbstgewählten Tod. Zu erwarten,
daß sich Flüchtlinge nicht gegen ihre Abschiebung zur Wehr setzen, zeugt von
großer Naivität.
Unzählige aus Deutschland
abgeschobene Flüchtlinge werden nach der Ankunft in ihrem Herkunftsland grausam
gefoltert, ermordet oder verschwinden spurlos.
Doch die deutschen Behörden
schenken lieber den Lügen von Folterstaaten wie der Türkei oder Nigeria Gehör,
als unabhängigen Menschenrechtsorganisationen. Schließlich lassen sich mit solchen
Regimen die deutschen Wirtschaftsinteressen besser durchsetzen, als mit Menschenrechten.
Sollten doch einmal die Nachrichten von Folter und Tod aus Deutschland abgeschobener
Flüchtlinge an eine breitere Öffentlichkeit geraten (siehe z. B. Frankfurter
Rundschau vom 26.2. 99), so wird das genauso wie der Tod von Aamir Mohamed Ageeb
als ein tragischer Unfall abgetan, ohne daß sich an der Abschiebepraxis etwas
ändert.
Flüchtlingen wird durch
die ständige Drohung abgeschoben zu werden, die Möglichkeit einer Zukunftsplanung
grundlegend verwehrt, und die drohende Auslieferung an die Verfolgerstaaten
sind eine ständige psychische Belastung.
Auch für die deutsche Innenpolitik
müssen die Menscherechte ein Maßstab sein! Wir sollten Otto Schily beim Wort
nehmen, wenn er behauptet, alle gewaltsamen Abschiebeversuche vorerst aussetzen
zu wollen. Abschiebungen sind niemals ein freiwilliger Akt, sie stellen immer
eine gewaltsame Handlung dar.
Abschiebungen sind eine
Menschenrechtsverletzung und müssen generell gestoppt werden.
Der leichtfertige
Umgang mit dem Leben von Flüchtlingen muß ein Ende haben!